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Bad Emstal
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Aus der Geschichte Bad Emstals und seiner Ortsteile

 

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zoomBild: Sand im Jahr 1939

Die Gemeinde südwestlich von Kassel (20 Autominuten), im Naturpark Habichtswald an der Grenze zum Chattengau gelegen, ist eines der jüngsten Heilbäder Hessens (1991) und einer der Orte, der viel Geschichte zu bieten hat.

Erreichbar in 15 Minuten von der Autobahnabfahrt Kassel – Wilhelmshöhe. Die Gemeinde besteht aus vier Ortsteilen: Balhorn als ältester Ortsteil mit ca.1790 Einwohnern (seit 774), Merxhausen mit 400 Einwohnern (seit 1151), Riede (seit 1074) als kleinster Ortsteil mit 340 Einwohnern und dem größten Ortsteil Sand (seit 1354) mit ca. 3900 Einwohnern.


Ältester Fund (100 000 – 40 000 v.Chr.) ist ein "Schaber", ein Steinwerkzeug aus Kieselschiefer, mit dem Tierfelle bearbeitet wurden. Der Schaber wurde 1936 in der Balhorner Flur "Blockhecke" gefunden. Spätere Funde stammen aus Balhorn und Sand. Etwa 300 v. Chr. siedeln die Chatten an der Sander Gemarkung, es entsteht die älteste Fliehburg Norddeutschlands, die Altenburg. Etwa in diese Zeit datieren heute die Ortssiedlungen Balhorn, Riede und Sand. Im 14. Jahrhundert bekommen die Herren von Hund die Burg Falkenstein auf Lebenszeit verpfändet. Die Burgruine ist heute beliebtes Ausflugsziel der Bad Emstaler, in der Sommerzeit finden dort auch Veranstaltungen statt. 1151 wird Merxhausen erstmals sicher erwähnt. Das Kloster wird später "Psychiatrieeinrichtung" und ist heute "Zentrum für Soziale Psychiatrie Kurhessen - eine Einrichtung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen". Hier finden sich Klosterkirche mit historischen Kellergewölben, die besichtigt werden können. Das "Kleinod Nordhessens" ist der Ortsteil Riede, Dorf mit Schloß- und Waldparkanlage, das auch als "Künstlerdorf" einen Namen hat. Über 400 Jahre war es im Familienbesitz des Hessischen Adelsgeschlechts derer von Meysenbug, bis es im 19. Jahrhundert in den Besitz derer von Buttlar überging. Das Schloß befindet sich in Familienbesitz und wird derzeit mit Landesmitteln renoviert. Der frühromantische Waldpark beherbergt Kapelle, Denkmäler u.v.a.m., die es zu entdecken gilt. Die Attraktivität Bad Emstals resultiert nicht zuletzt aus dem Thermalbad mit Kurpark in Sand sowie der überregional anerkannten Gastronomie. Mit diesem Spektrum an Angeboten von der Frühgeschichte bis in die Moderne ist Bad Emstal der Anziehungspunkt schlechthin in dieser Region.

Balhorn: Erstmals erwähnt 774 in einem Kirchenbuch des Stiftes Hersfeld. Das zwischen 802 und 815 geschriebene "Breviarium sancti Lulli" verzeichnet Grundbesitze für den ersten Abt des Klosters Hersfeld, Lullus. Der Bonifatius – Schüler und spätere Erzbischof von Mainz erhält die Rechte an dem Dorf Balhorn, "villa Balahorna".

Historisch bedeutend ist die Wehrkirche, dessen erste Zeugnisse aus dem späten 15. Jahrhundert datieren (1488), sowie der gotische Unterbau des Torhauses selbst und der Gerichtstisch mit Dorflinde. Die Fachwerkbauten im Ortskern vermitteln dem Besucher einen Eindruck dörflicher Struktur, die in der Region nur noch wenig erlebbar ist. Aus den Balhorner Steinbrüchen wurden über Jahrhunderte Sandsteine für die Bauten in Kassel geliefert. Historisch wichtig ist die Geschichte des ersten Herkules, der aus diesen Steinbrüchen stammte, heute nicht mehr existiert. Balhorn bietet heute eine vollständig eigene Infrastruktur, mit vorzüglichem Campingplatz für die Region. Kulturell hebt sich Balhorn durch Theaterwerkstätten sowie die Volksbühne hervor.

 

Kurfürstenbrücke Merxhausen


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Kurfürstenbrücke


Merxhausen:
Merxhausens Geschichte steht und fällt mit der Einrichtung für psychisch kranke Menschen, die seit dem 16. Jahrhundert durch Landgraf Philipp II besteht. Historische Klosteranlagen im Kern der Wohlfahrtseinrichtung bilden einen wertvollen kulturellen Bestand, der seines Gleichen sucht.
Kulturell ist die Freilichtbühne "Klosterspiele Merxhausen" überregional von Bedeutung. Ein Novum dürfte die Integration von psychisch Kranken in das Schauspielwesen sein. Alle zwei Jahre finden im Sommer auf der Freibühne innerhalb der Klosteranlage die Spiele statt, die eben von allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern getragen werden.

Riede: 1074 erstmals erwähnt. Durch die naheliegende Bundesstrasse, die schon immer eine Verbindung zwischen Hessen/Thüringen und Westfalen darstellte, erlebte der Ort eine wechselvolle Geschichte durch die vorbeiziehenden Heere, die Streitigkeiten um die Domstadt Fritzlar taten ein übriges. Bedeutend wurde für Riede der Verkauf des Schlosses durch Henne von Wehren an ein hessisches Adelsgeschlecht, die von Meysenbugs im Jahre 1443, die bis 1810 im Besitze des Schlosses blieben, die Familie dann ausstarb. Berühmtester Sproß der (späteren) Meysenbugs (heute Lauenburg) ist Malvida von Meysenbug (1816 – 1903), geboren in Kassel, Tochter des Rivalier von Meysenbug, Frauenrechtlerin, die durch ihre Bekanntschaft mit Nitzsche berühmt wurde. Rivalier von Meysenbug, eigentlich Ludwig Karl Rivalier (Justizrat) hatte den Adelstitel von Kurfürst Wilhelm II. erhalten, er "verbrachte schöne Stunden in Riede".

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Der letzte von Meysenbug, Heinrich, Landrat zu Kassel, schuf die Parkanlagen mit romantischem Waldpark, die heute Stück für Stück instand gesetzt, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Schloß befindet sich in Familienbesitz derer von Buttlar und wird heute mit Privat- und Landesmitteln renoviert. Der im Schloß befindliche historische Rittersaal steht als Trausaal zur Verfügung. Außerdem beherbergt das Schloß in einigen Räumen eine kleine Kunstgalerie, die temporäre Ausstellungen zeigt. Durch ortsansässige Künstler gilt Riede auch als Künstlerdorf. Hauptattraktion allerdings sind die Naturgegebenheiten, der historische Park sowie die Weitsicht über das angrenzende Chattenland mit der Domsstadt Fritzlar. (Rundgang Wald- Schloßpark: ca.: 2 ½ Stunden)


Sand: 1354 wird "tzum Sande Mutzlar" erstmalig erwähnt. Wechselvolle Dorfgeschichte, während der sich Sand vom Handwerkerdorf zu einem Industriestandort entwickelte. Lohngerberei, Zimmermannshandwerk, Steinbrecher u.a. Nach dem 2. Weltkrieg siedelte sich die Maschinenfabrik Thiel aus Thüringen in Sand an, die später von der Maschinenfabrik MAHO übernommen wurde und ca. 500 Arbeitsplätze für die Region bot. Anfang bis Mitte der neunziger Jahre dann das Aus dieser Firma. Die Beständigkeit des Wechsels macht die Sander zu dynamischen, immer wieder anpassungsfähigen Menschen. Die Aufarbeitung der "Arbeitergeschichte in Sand" steht noch aus. Das Dorf selbst bietet historische Fachwerkhäuser und öffentliche Anlagen bis zum sich ständig entwickelnden Kurpark. Von Sand aus sind alle Ortsteile bequem mit Rad oder durch Wanderung zu erreichen.

Schon früh holte man sich in Sand durch ein Naturschwimmbad in 1929 Gäste ins Dorf. Damals dachte noch niemand an ein Thermalbad. Das Thermalwasser wurde 1976 vermutet und durch Bohrungen gefördert. Mit dem Thermalbad wurde Sand touristisch erschlossen, bietet Hotels und eine überregional anerkannte Gastronomie. Besonders bekannt ist der Landgasthof "Grischäfer" mit Rittermahl u.ä. Angeboten.

Historische Wanderungen:

Tageswanderung: Sand - Falkenstein – Altenburg – Kirchberg – Riede – Sand

Besichtigung/Wanderung: (3 Stunden): Schloß- und Waldpark Riede

Wanderung/Dorf Sand: (3 Stunden): Ems – Fischbach – Kurpark

Wanderung/Besichtigung: (5 Stunden): Sand – Balhorn (Dorf/Kirche) – Sand

Wanderung/Besichtigung:
(2 Stunden): Sand – Merxhausen (Kloster) – Sand


Text:
Hartwin Neumann - 1. Vorsitzender
Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal
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Datum des Ausdrucks: 21.07.2017